Dortmund 03-2017 – LKW Fahrer übersieht Radfahrerin


Ein LKW-Fahrer hat in Dortmund am 16.03.2017 eine Radfahrerin übersehen und angefahren. Sie kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus.

Der LKW-Fahrer (41) war laut Polizei auf der Bornstraße in Richtung Süden unterwegs. Als er nach rechts in die Mallinckrodtstraße abbiegen wollte, übersah er offenbar eine Radfahrerin (51) und fuhr sie an. Sie kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus.

In einem weiteren Artikel sieht man die Unfallstelle aus einer anderen Perspektive:

Bilder der Unfallstelle

Hier einige Eindrücke der Unfallstelle aus der Perspektive von Google-Street View:

Unfall Radfahrer Dortmund toter Winkel

Dieses Bild zeig in etwa die Unfallstelle. Im Hintergrund sieht man den querenden Radweg

LKW Unfall Dortmund Radfahrer toter Winkel

In diese Straße wollte der LKW einbiegen.An den Schildern ist erkennbar, dass die Straße zum Unfallzeitpunkt sehr wahrscheinlich für LKW gesperrt war. Es sei denn der Sattelschlepper wäre Lieferverkehr für einen Anlieger.

 

LKW Unfall Dortmund toter Winkel

Die Kreuzung, an der sich der Unfall zwischen dem LKW und der Radfahrerin ereignete. Rechts sieht man (zufällig) wieder einen LKW, der in die Seitenstraße abbiegen will.

Sicht auf die Unfallstelle aus der Fahrtrichtung des unfallbeteiligten LKWs. Die Seitenstraße liegt rechts hinter der Ampel. Radfahrer haben ein separates Ampelsignal. Der Radweg sehr nah an den LKW herangeführt.

 

Hätte eine verbesserte Direktsicht den Unfall verhindern können?

Der unfallbeteiligte LKW war ein DAF XF Sattelschlepper mit relativ langem Auflieger. Das bedeutet, dass dieser ausholen muss, um nicht mit dem Aufliegende Poller auf dem Gehweg rechts mitnehmen, Auf dem letzen Bild kann man die recht schmale Einfahrt der Seitenstraße sehen. Dies bedeutet, dass der LKW zunächst gerade aus fährt um dann scharf rechts einschlägt. Man kann das gut auf dem Bild in diesem Artikel erkennen:

Eine Möglichkeit, die Direktsicht eines LKW zu beurteilen ist die „Bodenprojektion“. Dazu schaut man, welche Fläche des umliegenden Bodens aus der Position des LKW-Fahrers direkt und indirekt (über Spiegel) einsehbar ist. Bei großen LKWs hat diese Fläche bauart-bedingt einen Bereich, der gar nicht einsehbar ist. Bei Abbiegevorgängen, wie diesem ist die Zeit die für den Blick in den Spiegel aufgewandt wird begrenzt. Daher kommt der Direktsicht eine besondere Bedeutung zu.

Direktsicht DAF XF Toter Winkel

Bodenprojektion von Direktsicht und indirekter Sicht eines DAF XF LKWs Rot: der nicht einsehbare Bereich. Ein Kästchen entspricht 1m.

In der Bodenprojektion der Direktsicht erkennt man, wie wenig der LKW Fahrer sieht, wenn er die Spiegel nicht nutzt:

Direktsicht MAN LKW Toter Winkel Bodenprojektion

Direktsicht und toter Winkel in der Bodenprojektion. Ein Kästchen entspricht einem Meter. Die verschiedenen Farben stellen den Sichtbereich bei verschiedenen Körpergrößen des Fahrers dar. 

Man erkennt bei der Darstellung der Bodenprojektion, dass LKW Fahrer besonders im Bereich rechts vom LKW und auch direkt vor dem LKW einen großen Bereich nicht direkt einsehen können. Ein Vergleich zum Mercedes Econic zeigt, dass hier große Unterschiede möglich sind:

Direktsicht Mercedes Econic Toter Winkel

Direktsicht eines Mercedes Econic. Man erkennt, dass durch die Gestaltung des Fahrerhauses große Unterschiede möglich sind.

Das folgende Bild zeigt eine Verkehrssituation aus der Perspektive des LKW-Fahrers

Mercedes Econic Direktsicht toter Winkel

Direktsicht aus einem Merceds Econic. Man erkennt die gute Sichtbarkeit des Radfahrers durch die Seitentür und auch im Bereich direkt vor dem LKW. Das Risiko, dass ein Radfahrer übersehen wird, wird drastisch reduziert.

Fazit

Die Ampelschaltung ist nicht konfliktfrei

Die Verkehrssituation dieses Unfalls zeigt Mängel in der Gestaltung der Radwege auf. Auch die Ampelschaltung zeigt dass hier nicht konfliktfrei geschaltet wird – das bedeutet Radfahrer und Kfz haben gleichzeitig Grün. Das Einfahrverbot für LKWs wird an der Hauptstraße nicht angezeigt. (Siehe Bilder oben). Die Führung des Radweges in Verbindung mit der mangelhaften Direktsicht dürften maßgebliche Unfallursache sein – wenn man außer Acht lässt, dass die unfallbeteiligte Radfahrerin unmittelbar vor der Kollision im Rampenspiegel und im Frontspiegel des LKWs zu sehen gewesen sein muss. Die Stelle am LKW, an der er mit der Radfahrerin kollidierte liegt voll im Erfassungsbereich des Frontspiegels. Um die Radfahrerin darin zu sehen und noch rechtzeitig zu bremsen, muss der LKW Fahrer jedoch rechtzeitig in die Spiegel sehen und seine Geschwindigkeit soweit verringern, dass er noch reagieren kann. Diese Unfallstelle könnte durch ein Rechtsabbiegeverbot für LKWs (oder auch für alle KFZ) entschärft werden, da die Führung des Radverkehrs wenig andere Möglichkeiten bietet, als die gegenwärtige Gestaltung, wenn Rechtsabbieger weiter erlaubt bleiben soll.

Die Rolle der Direktsicht

Ein LKW mit verbesserter Direktsicht fördert, dass Radfahrer früher als Verkehrsteilnehmer wahrgenommen werden – auch ohne dass der LKW Fahrer in die verfügbaren Spiegel schaut. Daher kann man feststellen, dass dieser Unfall bei Einsatz eines LKWs mit optimierter Direktsicht sehr wahrscheinlich hätte vermieden werden können.

 

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