Hamburg – 09-2014 – LKW übersieht Radfahrerin


LKW übersieht Radfahrerin

Ein Lastkraftwagen-Fahrer übersah beim Abbiegen auf der Weggabelung Bargkoppelweg in Farmsen eine Radfahrerin und verletzte diese mit dem schweren Fahrzeug. Die Geschädigte wurde umgehend per Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen. Nun dokumentieren die Ermittler der Polizei die ersten Spuren des Unfalls, unter anderem den Innenraum des Fahrzeuges und das Fahrrad der Verletzten, mithilfe von Kameras, um den Grund für die Tragödie feststellen zu können.

Lastkraftwagen-Fahrer übersah eine Radfahrerin

In dem Hamburger Stadtteil Farmsen-Berne ist nun genau das passiert: Ein schrecklicher Unfall. Ein Lastkraftwagen-Fahrer übersah beim Abbiegen auf der Weggabelung Bargkoppelweg eine Radfahrerin und verletzte diese mit dem schweren Fahrzeug. Die Geschädigte wurde umgehend per Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen. Nun dokumentieren die Ermittler der Polizei die ersten Spuren des Unfalls, unter anderem den Innenraum des Fahrzeuges und das Fahrrad der Verletzten, mithilfe von Kameras, um den Grund für die Tragödie feststellen zu können.

Kommentar zum Unfall

Der unfallbeteiligte LKW war ein MAN TGX 18.440. Eine Sattelschlepper mit relativ langem Auflieger. Diese Modellreihe wurde auch in der Studie der Loughborough-Universiy hinsichtlich der Direktsicht untersucht. Die Serie MAN TGX wurde in der Kategorie „Schwere LKW“ klassifiziert und bildet dort das Schlusslicht in der der von „Transport & Environment“ aus dieser Studie abgeleiteten „Direktsicht-Index“. Dies bedeutet, dass der MAN TGX für die LKW-Klasse der „schweren LKWs“ eine auffallend schlechte Direktsicht hat.

Hamburg-LKW-Unfall-Radfahrer-Rahlstedt-FarmsenDer Unfallort liegt im Stadtteil Farmsen innerhalb eines innerstädtischen Gewerbegebietes. Die Seitenstraße, aus der der LKW abbog ist eine Ringstraße, die auf beiden Seiten in der Hauptstraße, dem Bargkoopelweg endet. Die Anlieger dieser Seitenstraße sind fast ausschließlich größere Gewerbebetriebe. Eine Kennzeichnung von „gemeinsamen Rad- und Fußwegen“  ist auf den Bildern nicht zu erkennen, daher muss angenommen werden, dass Radfahrer hier auf der Straße im Mischverkehr fahren müssen.

Sofern die Radfahrerin aus der Straße „Bei der neuen Münze“ kommend links abbiegen wollte, würde sie also auf der Fahrbahn zunächst auf die gegenüberliegende Straße fahren müssen um dort auf dem Bargkoppelweg weiter im Mischverkehr fahren zu müssen. In allen drei Fahrtrichtungen an dieser T-Kreuzung Kreuzung werden Radfahrer im Mischverkehr geführt. Für aus der Seitenstraße „Bei der neuen Münze“ kommende Radfahrer und Fußgänger gibt es auf der gegenüberliegenden Seite keine Möglichkeit, auf den Fußweg zu kommen. Für den den Bargkoppelweg begleitenden Fußweg auf der nördlichen Seite gibt es keine markierte Fußgängerfurt, sondern lediglich einen abgesenkten Bordstein.

Fußgängerfurt Radweg Bargkoppelweg Hamburg

Fußgängerfurt Bargkoppelweg ind Hamburg. Links die Bordsteinabsenkung. Rechts keine Möglichkeit den Grünstreifen zu queren.

Es ist aus den Aufnahmen der beiden Pressemitteilungen nicht zu erkennen, aus welcher Richtung die Radfahrerin gekommen ist. Es fällt auf, dass die Unfallspuren auf der Fahrerseite des LKWs zu sehen sind, was gegen einen typischen Rechtsabbiegerunfall spricht. Bei diesem geraten die Radfahrer am häufigsten unter die Beifahrerseite. Hier sieh es so aus, als sei der LKW die Radfahrerin auf der Fahrbahnmitte frontal mit der Radfahrerin kollidiert. Mögliche Szenarien sind,: Die Radfahrerin wollte vom Bargkoppelweg  kommend links in die Seitenstra0e einbiegen oder sie wollte aus der Seitenstraße kommend inks in den Bargkoppelweg abbiegen. Man erkennt, dass der LKW weit ausholen musste, und zum Teil auf der Gegenfahrbahn zum Stehen gekommen ist. Genaueres wird die Polizei ermittelt haben.

Die toten Winkel des MAN TGX

MAN TGX tote Winkel Bodenprojektion Direktsicht

MAN TGX tote Winkel in der Bodenprojektion

Die Loughborough University hat in ihrer Studie die „toten Winkel“ ermittelt, die Design – oder Konstruktionsbedingt entstehen. Dabei wurde unterschieden zwischen dem Sichtfeld, das direkt einsehbar ist (Direktsicht) und dem, was durch Spiegel einsehbar ist (Indirekte Sicht).  In der folgenden Grafik ist die Direktsicht blau umrandet und die indirekte Sicht rot. Man erkennt im Bereich der Direktsicht z.B. oberhalb der Fahrerposition eine Ausbeulung, die typisch ist, wenn die Armaturen-Konsole den direkten Blick auf die Straße direkt vor dem LKW weiter einschränkt, als die hohe Kante der Windschutzscheibe es ohnehin schon tut. Man erkennt auch die nicht einsehbaren Bereiche durch die A-Säule des LKWs. Rot umrandet sind die Felder der einzelnen Spiegel des LKW. Rot markiert ist der Bereich, der weder durch Direktsicht, noch durch indirekte Sicht einsehbar ist. Die Flächen entsprechen jeweils der „Bodenprojektion“ – also einer Sichtachse von den Augen des Fahrers zur Fahrbahnoberfläche. Ein Kästchen entspricht einem Meter. In Abbiegesituationen liegt die Konzentration des Fahrers oft auf Lenkbewegungen, Berechnung des Kurvenradius und dem umgebenden Kfz-Verkehr, die Zeit, die der Fahrer aufwendet, um in den Front-oder Rampenspiegel zu schauen ist meist begrenzt. Je schneller der LKW fährt, desto kürzer ist auch die Zeit, die der Fahrer für den Blick in den Spiegel und die Verarbeitung der dort gesehenen Informationen hat.

Hätte ein LKW mit optimierter Direktsicht geholfen den Unfall zu vermeiden?

MAN TGX Econic Direktsicht Vergleich

MAN TGX Econic Direktsicht Vergleich

Es ist anhand der vorliegenden Informationen schwer zu sagen. Klar ist: der MAN TGX hat direkt vor dem Fahrerhaus einen sehr großen nicht einsehbaren Bereich, in dem auch ein Radfahrer problemlos Platz hat. Bei einem vergleichbaren LKW mit verbesserter Direktsicht, gibt es diesen „toten Winkel“ vor dem LKW nicht, da die Augenhöhe der Radfahrerin nur wenig unterhalb der Augenhöhe des LKW-Fahrers liegt und in jedem Fall vor einem Frontalaufprall durch die Windschutzscheibe direkt zu sehen ist. Dies kann auch ohne „Notbremsassistent“ rechtzeitig zu einer Vollbremsung führen – und eine Kollision vermeiden und schwere Verletzungen oder einen Todesfall verhindern.

 

 

 


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